lola demur: fotogalerie



Lolas Jazz                                

... irgendwann kamen Lola und ihr Klavier den breiten Fluss Mtkwari herunter geschwommen. Der Fluss, der träge die Stadt Tiflis teilt. Die virtuosen Klänge ihres Klaviers und Lolas warme Stimme, streichelten die sandigen Ufer, begleiteten die Schritte der Spaziergänger, eines Sonntag nachmittags. Die grünen Parks der Stadt lagen still hingegeben in der Sonne und warteten auf Lolas Jazz, den nur sie so spielen konnte, dass die alten Uhren der Stadt Tiflis stehenblieben und die Zeit vergaßen. Sie und ihr Klavier.

Man kannte sie in ihren Viertel der Georgier, Russen, der Armenier, Griechen und Juden. Sie und ihr Klavier.

Man sprach über ihre Träume, von amerikanischen Jazz-Bars, im New York der geschwärzten Hauswände, der Neonlichter auf regennassen Straßen, von amerikanischen Autoreifen berührt. Der Regen, der gehörte immer dazu die Tropfen sangen Be-Bop, wenn sie auf Autodächer trommelten! Nur die Flussufer fehlten, sie waren im alten Tiflis geblieben, aber leicht zu erkennen, in Lolas schwarzem Haar, das sich um ihre Ohren wellte. Ihre hochhackigen Pumps schlagen den Takt des Jazz, der 52. Straße der Lower East Side, wo der Asphalt von Zigarettenkippen bedeckt ist.

In der Bar gibt es die Flaschen hinter der Theke und die leeren Barhocker, die Kingsize Aschenbecher, übervoll von den Gesprächen der nächtlichen Besucher. Sie sind das Treibgut, am Ufer des Mtkwari angeschwemmt. Sie war es gewohnt, sich zu schminken in ihrer kleinen Garderobe, gleich hinter der Küche der Bar, eingeschlossen von verweckten Blumensträußen, alter Verehrer vor ihrem großen Spiegel. Der Koch, der sich kurz vor ihren Auftritt, durch den engen Durchgang quetschte, brachte ihr ein Glas eisgekühlten Wein, jeden Abend vor ihren Auftritt. Von Lolas Lächeln brannte sein Gesicht.

Die Gäste waren schon da, an kleinen Tischen vor halb geleerten Gläsern. Die Luft funkelte, und der Ventilator an der Decke gab schon sein Bestes, quirlte die heiße Luft um halboffene Münder der Frauen, kühlte kräftige Männerhände voll schwerer Rinde. Es waren immer die gleichen Leute. Die alte Dame mit ihrer Mottenzerfressenen Stola, der bärtige Mann, der schon Jahre nicht mehr mit seiner Frau gesprochen hat, vor einem großen Glas Scotch, in den sich das Licht bricht. Ein Diamant ist er, vor dem aufgeregt plappernden Liebespaar in einer dunklen Ecke der Bar. Ihre flatternden Hände tanzen umeinander, zitternde Fingerspitzen im Zigarettennebel unter der Decke.

Aber dann schleicht sich der Jazz an, auf roten Pumps, TACK-TACK-TACK! Der Vorhang bewegt sich, ein Scheinwerfer sticht durch das Dunkel. Weiß ist Lolas Gesicht, schwarz die Wimpern, und ihr Augenaufschlag fesselt die Gäste der Bar an die Tische, bis zum nächsten Morgen.